Vorsichtig stehe ich aus dem Bett auf und öffne die Fenster in unserem großen Allzweckraum. Die kühle Luft strömt in den Raum und die Morgensonne kitzelt meine Nase.
Auf meinem Weg ins Bad sammel ich alle schmutzige Wäsche auf, die wir, wie jeden Abend achtlos auf den Boden geworfen haben und stecke sie im Vorübergehen in den Wäschekorb.
Schon mit der Zahnbürste bewaffnet öffne ich auch im Bad das kleine Dachfenster. Die kühle Briese vertreibt die immer noch in mir schlummernde Nacht. Das laue Wasser aus der Dusche wird dann sein Übriges tun.
Frisch gewaschen und angezogen setze ich behutsam einen Schritt vor den anderen und schleiche die zwei Stockwerke hinunter durch das noch schlafende Haus. Hinter mir läuft mit klapperndem Halsband der Hund mehr hopsend mit nach unten. Sie will nach draußen in den Garten, was sich anbietet, denn auch im Wohnzimmer öffne ich beide Terassentüren. Auch hier strömt ein Wind in kühlen Wogen in das Haus und bringt den süßen Duft des Gartens als Besucher mit.
Verträumt schlurfe ich in die Küche um Wasser für Tee und Kaffee aufzusetzen. Ich fülle den Filter mit dem duftenden Pulver und freue mich schon darauf, wie es die ganze Küche erfüllen wird, wenn ich das dampfende Wasser darüber gieße.
Diese einsame und stille Morgenstunde ist wunderbar. Singend brühe ich den Kaffee auf, denn mit einem Lob für den Herrn beginnt der Tag gleich nochmal so schön.
Bald wird der Trubel des Tages beginnen. Die Kinder werden durchs Haus springen, lachen, tobend, streitend und sich vertragend. Das Haus wird nach gekochtem Essen riechen, welches den Geruch des frischen Morgens vertreibt und die Ruhe wird verschwunden sein.
Noch ein paar Minuten bleiben mir, ehe ich John wecken muss, noch ein paar Minuten allein mit Gott.
Mit meiner Kaffeetasse bewaffnet, oh wie freue ich mich auf den ersten aromatischen Schluck, setze ich mich auf einen Stuhl in den Garten und schlage meine vollgeschriebene Bibel auf. Ich habe sie von meinem Mann bekommen und überall wo ich bin ist sie dabei. Jeden Gedanken schreibe ich auf Post-its auf und klebe sie ein. Schön ist sie nicht mehr, aber ich mag ihre Zerlesenheit und ihr Zettel.
Ich blättere in Ihr und beginne zu lesen
Das Lob der tugendhaften Frau
10 Eine tugendhafte Frau — wer findet sie? Sie ist weit mehr wert als [die kostbarsten] Perlen!
11 Auf sie verläßt sich das Herz ihres Mannes, und an Gewinn mangelt es ihm nicht.
12 Sie erweist ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens.
13 Sie kümmert sich um Wolle und Flachs und verarbeitet es mit willigen Händen.
14 Sie gleicht den Handelsschiffen; aus der Ferne bringt sie ihr Brot herbei.
15 Bevor der Morgen graut, ist sie schon auf; sie gibt Speise aus für ihr Haus und bestimmt das Tagewerk für ihre Mägde.
16 Sie trachtet nach einem Acker und erwirbt ihn auch; vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg an.
17 Sie gürtet ihre Lenden mit Kraft und stärkt ihre Arme.
18 Sie sieht, daß ihr Erwerb gedeiht; ihr Licht geht auch bei Nacht nicht aus.
19 Sie greift nach dem Spinnrocken4, und ihre Hände fassen die Spindel.
20 Sie tut ihre Hand dem Unglücklichen auf und reicht ihre Hände dem Armen.
21 Vor dem Schnee ist ihr nicht bange für ihr Haus, denn ihr ganzes Haus5 ist in Scharlach gekleidet.
22 Sie macht sich selbst Decken; Leinen und Purpur ist ihr Gewand.
23 Ihr Mann ist wohlbekannt in den Toren, wenn er unter den Ältesten des Landes sitzt.
24 Sie fertigt Hemden und verkauft sie und liefert dem Händler Gürtel.
25 Kraft und Würde sind ihr Gewand, und sie lacht angesichts des kommenden Tages.
26 Ihren Mund öffnet sie mit Weisheit, und freundliche Unterweisung ist auf ihrer Zunge.
27 Sie behält die Vorgänge in ihrem Haus im Auge und ißt nie das Brot der Faulheit.
28 Ihre Söhne wachsen heran und preisen sie glücklich; ihr Mann rühmt sie ebenfalls:
29 »Viele Töchter haben sich als tugendhaft erwiesen, du aber übertriffst sie alle!«
30 Anmut ist trügerisch und Schönheit vergeht, aber eine Frau, die den Herrn fürchtet, die wird gelobt werden.
31 Gebt ihr von den Früchten ihrer Hände, und ihre Werke werden sie rühmen in den Toren!
Wie schön doch diese Morgende sind ...

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