Samstag, 25. Juni 2016

"Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung"

Es ist ein heißer Sommertag, perfekt für ein Grillfest mit Freunden, aber davor gibt es noch viel zu tun. Die Terasse muss gefegt werden, der Tisch geputzt und geschmückt, Kerzen müssen aus den Schränken herausgesucht werden, Stühle aufgestellt, Müll weggeschafft und Essen vorbereitet. Also mache ich mich schnell an die Arbeit.
Zuerst kümmere ich mich um die Salate, Kräuterbutter, Brot und Soßen. Ich schnibbel und brutzel, mixe und hacke, rühre und packe Sachen in den Kühlschrank.
Als ich damit fertig bin, geht es weiter mit der Terasse. Ich suche Besen und Schaufel und hole mir einen großen Müllsack. Dann lege ich los. Ich sammel Papier auf und reiße Unkräuter aus, der Schweiß rinnt mir von der Stirn. Mit dem großen Besen bewaffnet, fege ich Blütenblätter und Staub, bis ich von einer dichten, grauen Dreckwolke umgeben bin. Endlich bin ich damit fertig und kann mich ans Dekorieren machen. Ich schneide Blumen und gebe sie in große Vasen, stelle Windlichter auf mit verschiedensten Kerzen darin, hole Tischsets aus dem Schrank.




Immer wieder laufe ich dabei an meinem Mann vorbei, der regungslos auf dem Stuhl sitzt und in seiner Bibel liest. Mich ärgert das, es ärgert mich ungemein. Sieht er denn nicht, welche Mühe ich mir mache hier alles schön her zu richten? Es sind doch auch seine Freunde. 
Mit den Armen in die Hüften gestemmt stehe ich vor ihm. "Danke für deine Hilfe. Ich habe nicht die Zeit mich faul auf nen Stuhl zu setzen und Bibel zu lesen, aber schön, das du das kannst."
"Weist du", antwortet mir John, "Ich lese gerade die Geschichte von Martha und Maria. Setz dich doch zu mir und wir lesen zusammen."
Ich setze mich yu ihm und wir lesen gemeinsam.


Lukas 10

Martha und Maria
38 Es begab sich aber, als sie weiterreisten, daß er in ein gewisses Dorf kam; und eine Frau namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus.
39 Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß; die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu.
40 Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung. Und sie trat herzu und sprach: Herr, kümmerst du dich nicht darum, daß mich meine Schwester allein dienen läßt? Sage ihr doch, daß sie mir hilft!
41 Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles;
42 eines aber ist not. Maria aber hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden!


Da f'ällt es mir wie Schuppen von den Augen, auch mein Mann hat das gute Teil gewählt.
Unsere Gäste wären auch mit 2 Salaten, drei Soßen und einer Kräuterbutter zufrieden gewesen und Blätter und Staub dürfen auf dem Boden im Garten liegen.
Ich küsse meinen Mann und danke dem Herrn für diese Einsicht. Dann wuselt mein Mann los, zündet den Grill an und sucht Zange, Teller, Gabeln und Holz zusammen.
Es wird ein tolles Fest und glaubt es oder nicht, die Hälfte von Allem, was ich vorbereitet habe ist übrig geblieben. Ich habe es bei weitem Übertrieben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen